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Pro-Optic 800mm f/8 Spiegelobjektiv an D70s

Bei adorama.com gibt es für 224,95 US$ das Pro-Optic 800mm f/8 Spiegelobjektiv mit T2 Gewinde. An einer Digitalkamera mit DX-Sensor entspricht die Brennweite somit rund 1200mm. Ich persönlich fotografiere gerne mit einem Teleobjektiv, weil man insbesondere bei Naturfotografie oft nicht nahe genug an das Objekt herankommt. Andererseits kann man sich als Hobby-Fotograf kein professionelles >1000mm Tele kaufen, mit über 5000€ ist das einfach außerhalb des Machbaren. Wenn man sich die Alternativen anschaut kommt man sehr bald darauf das es ein Objektiv in Spiegelbauweise sein muss. Es gibt da noch die billig gebaute Linsen-Variante, die leiden aber meistens unter unerträglichen Farbfehler (Chromatische Aberration).

Dabei bin ich auf Folgende Varianten gestoßen:

Rubinar 500 500mm Mak-Cass f/5,6 Teleskop-Express 248€
MTO 1000 1000mm Mak-Cass f/10 Teleskop-Express 288€
Pro-Optic 80mm 800mm f/8 adorama.com 225$ ~ 170€
Pro-Optic 500 500mm f/6.3 adorama.com 150$

Ich habe mich, vor allem wegen des Preises, für das Pro-Optic 800mm entschieden. Bei diesen Preis muss man allerdings wissen auf was man sich einlässt. Das bedeutet nicht das die Objektive schlecht gebaut sind oder irgendwelche Frickelware. Es ist schlichtweg auf alles verzichtet worden was Teleobjektive teuer macht. Das heißt man muss mit folgenden Einschränkungen leben können, oder es eben lassen und noch 10 Jahre sparen ;-)

Das Objektiv kommt in einen Ledersäckchen mit Objektivdeckel. Dazu braucht man noch einen separaten T2-Konverter-Ring (rechts).
  • Die Brennweite ist fest: Zoomen geht nur über weiter ran oder weiter weg gehen
  • Die Blende ist fest: Belichtungszeit lässt sich nur über Verschlusszeit oder ISO-Wert regeln, Tiefenschärfe ist damit auch fix
  • Kein Bildstabilisator (VR): Entweder man schafft es die Belichtungszeit unter 1/320 – 1/400sec zu drücken, oder man braucht ein festes Stativ
    • Freihandfotos also nur an mehr oder weniger sonnigen Tagen
  • Kein Autofokus: nervt
  • Automatischer Belichtungsmesser evt. nicht funktionsfähig: Ist bei der D70s der Fall
  • Keine EXIF Daten über Blende/Brennweite in den Bildern: Who cares?
  • Man braucht noch einen T2 zu Nikon/Canon/… Ring
  • Der Kontrast leidet etwas im Vergleich zu Linsenbauarten

All das mag zwar mehr oder weniger ärgerlich sein, aber der Preis ist einfach einen Versuch wert. Nachdem ich nun mehr als einen Monat damit fotografiert habe, komme ich zu folgenden Schluss. Die feste Brennweite/Blende stört nicht, gerade die D70s hat genug Spielraum was Belichtungszeit angeht. Somit kommt man fast immer in den Bereich in dem das Foto gut ausbelichtet ist. Auch auf die fehlende Belichtungsautomatik kann man erstaunlich gut verzichten, es braucht ein wenig Erfahrung, aber es geht. Den fehlenden Kontrast kann man ohne weiteres im Nachhinein steigern, im .NEF Format zu Fotografieren macht hier besonders viel Sinn. Der fehlende Bildstabilisator stört mich persönlich nicht. Keines meiner Objektive hat einen (ich bin dazu zu geizig) und somit weiß ich nicht was ich vermisse. Für mich war es erstaunlich das f/8 doch recht Lichtstark ist, in der Dämmerung kann man zwar keine Fotos mehr “freihand” schießen aber selbst im Wald bei Sonne 10-15° über dem Horizont kann man noch recht gut Fotos machen.

An der D70s. In etwa so groß wie die Kamera selbst.

Der einzige Wermutstropfen ist der fehlende Autofokus. Das einzige Problemchen was ich an dem Objektiv sehe ist der sehr weiche Fokus. Auf der Fokus-Skala steht 3,5m bis unendlich, dabei wird das Objektiv aber nur 7mm “länger” oder anders, 8cm Drehweg stehen dazu zur Verfügung. Gerade im Bereich von 15m und unendlich ist es mehr oder weniger ein Glücksspiel den Schärfepunkt genau auf das Objekt zu bekommen. Man schießt fast immer 10cm (in der Tiefe) vorbei und muss dann mit “Kopf +-10cm vor oder zurück bewegen” gegensteuern. Letztendlich ist auch das Übungssache, nervt aber vor allem wenn es mal schnell gehen muss. Damit fallen auch fast alle, sich schnell bewegenden Objekte, aus. In der Einflugschneise des Tampa Int. Airport habe ich versucht  Bilder von Flugzeugen zu machen, bin aber mehr oder weniger gescheitert. Man braucht einfach 10-20 Sekunden um den Schärfepunkt richtig zu treffen, ein Flugzeug ist da zu schnell verschwunden.

Insgesamt habe ich es aber nicht bereut das Objektiv gekauft zu haben. Für mich als reiner Hobby-Fotograf ist die Qualität der Bilder ausreichend. Der Preis rechtfertigt für mich die Einschränkungen mit denen das Objektiv einhergeht. Letztendlich freue ich mich darüber jetzt Fotos von entfernten Objekten machen zu können die mir sonst nicht zugänglich waren. Hier noch zwei (bis auf Kontrast und Helligkeit) unbearbeitete Fotos mit dem Pro-Optic 800mm f/8 Spiegeltele:

Strommast, etwa 100m entfernt

Graureiher auf dem Gelände der USF
Vogel frisst Frosch (zusätzlich etwas nachgeschärft)